Wir machen Bauwerke intelligent

Eng und dunkel ist es in der Ludwig-Erhard-Brücke. Bauingenieure wagen sich trotzdem hinein: Sie bringen Sensoren an, die vor Feuchtigkeit warnen.

Maurer Karl Knopf muss krabbeln, um ins Innere der Ludwig-Erhard-Brücke zu gelangen. Man merkt, wie wichtig der Helm auf seinem Kopf ist: Etwa anderthalb Meter ist der Tunnel an der höchsten Stelle hoch, zwischendurch geht es auf den Knien durch enge Löcher. „Zum Glück hat man das hier nicht jeden Tag, sonst wäre der Bandscheibenvorfall vorprogrammiert“, sagt Knopf und lacht. In dem Gang ist es kühl und dunkel, wie im Keller eines alten Hauses. Der einzige Lichtstrahl kommt von einer großen Taschenlampe.

Knopf arbeitet beim Baubetriebshof Ulm. Er ist heute zum ersten Mal im Inneren der Brücke, zusammen mit Bauingenieuren der Stadt. Sie möchten acht Sensoren im Boden anbringen, die Veränderungen im Beton feststellen. Wenn es zu feucht wird, senden sie eine Warnung per SMS an ein Handy – so das Prinzip. Es ist das erste Mal, dass die Stadt Ulm diese Technologie ausprobiert.

Nach ungefähr 150 Metern ist die Mitte der Brücke erreicht. „Ich hätte es mir hier lauter vorgestellt“, sagt Knopf. Nicht einmal einen halben Meter über dem Gang fahren schließlich Autos und Lastwagen über die Brücke – doch davon ist kaum etwas zu hören, der Beton dämpft die Geräusche. In der Mitte des Tunnels sind schon Löcher im Boden, Knopf hat sie am Vormittag gebohrt. Hier sollen die Sensoren eingesetzt werden.

Geliefert werden die Geräte von Wolfgang Hill vom Unternehmen BS2-Sicherheitssysteme in Boppard in Rheinland-Pfalz. Der Betrieb hat die Sensoren selbst entwickelt. Die Geräte sind etwa so groß wie Rauchmelder. Oben sind sie mit einer Schicht überzogen, die wie Asphalt aussieht. Sie brauchen keine Kabel, ein kleiner Kasten sendet die Signale über Funk. „Das ist weltweit einzigartig“, sagt Hill. Wird ein gewisser Schwellenwert überschritten, bekommt ein Bauingenieur eine SMS auf sein Handy.

Die Sensoren kommen immer im Doppelpack: Einer meldet, wenn es zu feucht wird. Denn dann schaden Salze, die vor allem im Winter von der Straße aus in die Brücke gespült werden, dem Beton. Der zweite Sensor misst die Korrosion, also die Verwitterung des Bodens.

Wieso die Sensoren ausgerechnet an dieser Stelle angebracht werden? „Hier hatten wir schon einmal einen Salzsee“, sagt Walter Schmid, Bauleiter bei der Abteilung Verkehrsinfrastruktur der Stadt Ulm. Durch den Tunnel laufen Rohre, die das Abwasser von der Straße in einen Kanal leiten. Das Wasser sollte durch ein Loch im Boden weiterfließen – das war damals aber verstopft. Die Folge: Es staute sich an. „Und so etwas wird manchmal nicht so schnell bemerkt“, sagt Schmid. Denn die Brücke wird nur etwa einmal im Jahr begangen.

Deshalb setzt die Stadt jetzt auf das Frühwarnsystem. „Das spart Geld, denn mögliche Schäden werden frühzeitig erkannt“, sagt Karlheinz Schüle, ebenfalls Bauleiter in der Abteilung Verkehrsinfrastruktur der Stadt Ulm. Das System selbst sei „relativ günstig“. Ein Sensor kostet ungefähr 400 Euro.

Bis jetzt ist die Überprüfung der Brücke noch wesentlich aufwändiger: Um die Brücke auf Chloride, also auf Salze, zu kontrollieren, müssen die Ingenieure extra eine Probe aus dem Beton nehmen. Die wird dann im Labor analysiert. Je nach Ergebnis muss ein Sanierungskonzept erstellt werden.

Blickt man weiter den Tunnel entlang, verliert sich der Blick schnell in der Dunkelheit. Nicht jede Brücke hat übrigens einen solchen Hohlkasten, das kommt ganz auf die Anforderungen an. Hier könnte man durch den Tunnel aber bis zum anderen Ende kriechen, auch dort gibt es eine Luke. Die ist aber mit einem Schloss gesichert, berichtet Knopf: „Sonst könnte ja jeder hier drin herumlaufen.“

18.05.2016 // Südwest Presse